Menschen am Sonntag

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Menschen am SonntagAuch 2016 widmet KINO UNTER STERNEN den Filmschaffenden, die während des Nationalsozialismus ins Exil vertrieben wurden, eine Filmreihe. Menschen am Sonntag wird von einer Gruppe talentierter, ambitionierter junger Männer erzählen, die sich von Wien nach Berlin aufmachten und dort nicht bleiben konnten:

 

Robert, Edgar, Fred and Billie too
Von den Menschen hinter Menschen am Sonntag

Berlin 1929. Sommer. Die Stadt pulsiert. Am Bahnhof Zoo geschäftiges Treiben von zahllosen Menschen, viel Verkehr, Arbeitsschluss am Samstag nachmittag, die Rollläden gehen runter. Mittendrin, so wie die Kamera, die das alles wie aus dem Leben gegriffen, auf Film aufzeichnet, vier junge Leute, Zufallsbekanntschaften, die sich entschließen, den Sonntag gemeinsam am Wannsee zu verbringen. Die Bilder dieses Wochenendes, die heute, fast 90 Jahre später, im Kino ebenso unverstellt und dynamisch wirken, wie zu der Zeit als sie in der deutschen Metropole der Weimarer Republik gedreht wurden, transportieren gleichzeitig die Leichtigkeit eines unbeschwerten Sommertags und die Faszination, die von einer vitalen Großstadtkultur ausgeht, die die Nazis nur wenig später für sehr lange erstickt haben.
Der Film Menschen am Sonntag ist die charismatischen Liebeserklärung einer Handvoll  junger Filmenthusiasten, die mit viel Verve, mit wenig Geld und ohne Stars, ihre ungewöhnliche Idee umsetzen wollten, an Originalschauplätzen vom Alltag, vom Flair und vom Lebensgefühl ihrer Stadt zu erzählen: Der Cutter und Regieassistent Robert Siodmak, der mit diesem Film seine Regiekarriere startete, der Bühnenbildner Edgar G.Ulmer, der Wiener Journalist und Drehbuchautor Billie Wilder, der nach einer Idee des Schriftstellers Curt Siodmak das Buch entworfen hatte sowie, als Kameraassistent von Eugen Schüfftan, der spätere Filmregisseur Fred Zinnemann. Schüfftan, der sein Image als Techniker abzustreifen suchte, um sich als bildgestaltender Kameramann durchzusetzen, und der Theatermann Moriz Seeler, der als Produzent des „Filmstudios 1929“ agierte, waren maßgeblich beteiligt am Erfolg dieses kollektiven Kleinods, das heute genauso flirrt, bezaubert, fröhlich stimmt, zum Lachen einlädt, wie die Menschen, die sich im Kino auf der Leinwand wieder erkannten in der Alltagsgeschichte rund um Liebesleid und Liebesfreud einer Schallplattenverkäuferin, einer Filmkomparsin, eines Weinreisenden und eines Taxichauffeurs.
Fast alle am Film Beteiligten müssen 1933 Deutschland verlassen, erlangen nach ihrer Emigration erst in Hollywood internationales Ansehen: Robert Siodmak bringt es im Genre des Film noir zu großer Meisterschaft; die mehrfachen Oscar-Preisträger Fred Zinnemann und Billy Wilder etablieren sich mit ihren Regiearbeiten unter den ganz Großen des amerikanischen Kinos und Edgar G. Ulmer, der König der B-Movies, wird Vorbild für Regisseure wie Scorsese, Bogdanovich oder die französische Nouvelle Vague. Eugen Schüfftan, der später abwechselnd in Frankreich und Amerika arbeitete, wird für seine Kamera für The Hustler ebenfalls mit dem Academy Award ausgezeichnet.

Menschen am Sonntag

Der findige Produzent Moriz Seeler, der die Menschen hinter Menschen am Sonntag einst im Romanischen Cafe in Berlin zusammengebracht hatte, wurde 1942 von den Nazis ermordet. Siodmak, Ulmer, Schüfftan, Zinnemann, Wilder sowie der Filmmogul Seymour Nebenzahl werden mit je einem Film gewürdigt, der Eröffnungsabend mit Menschen am Sonntag ist Moriz Seeler gewidmet. (Brigitte Mayr / Michael Omasta)

 

In Kooperation mit     Österreichisches Filmmuseum und      synema

 

  3. Juli   Menschen am Sonntag (Curt Siodmak, Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer, Fred Zinnemann, Billy Wilder, D 1930) 74 Min. Stumm mit Musikeinspielung

  5. Juli   3 Groschen-Oper (G.W. Pabst, D 1931) 112 Min. DF

  7. Juli   The Seventh Cross (Fred Zinnemann, US 1944) 110 Min. OF

12. Juli   Detour (Edgar G. Ulmer, US 1945) 67 Min. OmfU

14. Juli   Sunset Boulevard (Billy Wilder, US 1950) 110 Min. OF

18. Juli   The Hustler (Robert Rossen, US 1961) 130 Min. OF

21. Juli   The Crimson Pirate (Robert Siodmak, US 1952) 105 Min. OF

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