Unter Wolfsmenschen

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Wolf MenEven a man who is pure in his heart,
and says his prayers by night,
may become a wolf when the wolfbane blooms
and the autumn moon is bright.
(Curt Siodmak, 1997, Unter Wolfsmenschen)

„Ich selbst bin der Wolfsmann“, meinte Curt Siodmak über seine berühmte Leinwandschöpfung, die unserer Reihe den Namen gibt. Als deutscher Jude war der Drehbuchautor 1933 aus seiner Heimat vertrieben worden, ohnmächtig dem Schicksal ausgeliefert. So erzählt die Filmschau Wolf Men auch nicht von Monstern, sondern von den Verfluchten und Ausgestoßenen dieser Erde, die nächtens als Tiere unter uns wandeln. Männer werden zu Wölfen, Frauen zu Raubkatzen, einem Verliebten wächst ein Eselskopf, ein Verwunschener wird durch die Kraft der Liebe aus dem biestigen Körper befreit. Michael Omasta, Brigitte Mayr , SYNEMA – Ges. für Film und Medien

 

A MIDSUMMER NIGHT'S DREAM (Regie: William Dieterle, Max Reinhardt, US 1934)

A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM (Regie: William Dieterle, Max Reinhardt, US 1934)

 

Es tummeln sich die Gestaltwandler in den Kulturen
im Märchen, in der Literatur und auch in der Filmgeschichte. Im Kino ist der bekannteste Gestaltwandler wohl der Werwolf. Und da trifft es meist die Männer, ein Biss und schon verlieren sie die Kontrolle über ihre Triebe, sind ihnen ausgeliefert und fallen über die, die sie als Menschen geliebt haben, her. Frauen hingegen verwandeln sich durch sexuelle Regungen zu reissenden Wildkatzen wie in Jacques Tourneurs Cat People (US 1942).

Curt Siodmak, aus Deutschland erst nach England dann nach Los Angeles vor den Nazis geflohen, verband in seinem Bild vom Werwolf Täter und Opfer. Für Universal schrieb er das Original-Drehbuch The Wolf Man, George Waggner bekam den Auftrag die Story mit Lon Chaney Jr. in der Hauptrolle zu verfilmen (US 1941).

“Zwar hatte ich für diese Arbeit nur den Titel, The Wolf Man, als Grundlage, aber die Geschichte setzte sich wie ein Puzzle selbst zusammen. Ich sah darin den Kampf zwischen Gut und Böse um die Seele des Menschen und jenes unvermeidliche Walten des Schicksals, das auch mein Leben geformt hatte.”  (Curt Siodmak in seiner Autobiografie Unter Wolfsmenschen, 1997)

 

Herzlich willkommen, Tiere, Pflanzen, Mineralien, Dämonen!
Wer das Kino nicht kennt, wird nie ganz glauben, dass es sie gibt: die Zwischenwesen. Die Ungefixten, die Mensch und Nichtmensch sind: Katzenfrau, Wolfsmann, literarisch gebildeter Rabe (um nur drei dieser zahllosen Erdenbürger zu nennen, die sich der naturwissenschaftlichen „Logik“ erfolgreich widersetzen). Erst das Kino hat uns bewiesen: Es gibt sie. Denn das Kino ist eine Realität, kein Hörensagen, kein (Alp-)Traum, keine Illusion. Und dank dieser Kinorealität (sowie infolge einiger geistes- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse) haben wir irgendwann im 20. Jahrhundert kapiert, dass das Ungefixte und Zwischenwesentliche unser aller Erbteil ist. Oder glauben Sie immer  noch an Ihr ungeteiltes, abgegrenztes Menschenseelchenheil?
Kein Mittsommernachts(alp)traum also, sondern eine Mittsommernachtsrealität am Karlsplatz – und ganz nebenbei auch ein Preview zur großen Horrorfilm-Retrospektive, mit der das Österreichische Filmmuseum vier Wochen später, ab 30. August, in die nächste Spielzeit startet. Alexander Horwath, Direktor des Österreichischen Filmmuseum

Die Filmreihe über Gestaltwander im Film mit dem Fokus auf Filmschaffende im Exil wird in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum und SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien gezeigt.

 

The Wolf Man

THE WOLF MAN (George Waggner, US 1941)

Men become wolves, women become cats of prey, a lover’s head turns into a donkey’s head. Shape shifters are frequent appearances in different cultures – in fairy tales, in literature and in film history. The most common shape shifter in cinema is the werewolf. They are mostly men – one bite and they lose control over their urges, they become subject to them and pitch into the ones they loved as humans. Women on the other hand change through sexual impulses into wild cats as in Jacques Tourneur’s Cat People (US 1942).
Curt Siodmak, having fled from the Nazis first to England then to Los Angeles, saw in his werewolf perpetrator and victim combined. He wrote The Wolf Man for Universal, George Waggner was appointed to film the story starring Lon Chaney Jr. (US 1941).
“At the start I only had the title, The Wolf Man, as a base, but the story pieced itself together like a puzzle. I saw the struggle between good and evil over the soul of man and the inescapable looming of destiny, which had also shaped my life.”  (Curt Siodmak in his autobiography Even a Man Who Is Pure in Heart, 1997)

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Die Biografie von Curt Siodmak unter dem Titel Unter Wolfsmenschen ist in zwei Teilen im Weidle Verlag erschienen. hier geht es zum Verlag

Comments

  1. [...] im digitalen als auch im tatsächlichen realen Raum der Straßen Wiens zu finden. Neben der wahren Geschichte der Wolfsmenschen gab es daher unterwegs echte “real life badges” zu finden. Danke an Nico und seine [...]

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