In memoriam Florian Flicker

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Florian Flicker (21. August 1965 – 23. August 2014)

Er fehlt uns, mit seiner ruhigen Art, zögerlich und zurückhaltend, bevor er sich festlegte. Er wollte sich ganz sicher sein. Keine halben Sachen. Seine Projekte bereitete er mit Sorgfalt und Genauigkeit vor.

Für Kino unter Sternen hat er sehr schöne Programme gestaltet. Er hat uns an einen der Drehorte von Der Überfall geführt, uns in seine Materialien Einblick nehmen lassen, Geschichten vom Dreh erzählt und Musik vorgespielt, die ihn damals bei den Vorbereitungen zum Film beeinflusst hat.

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Überhaupt hatte er zu Musik  eine ganz besondere Beziehung, er wusste um die Wirkung und Wichtigkeit von Filmmusik. Er zog die Gestaltung von musikalischen Programmen eindeutig den Gesprächen zu seinen Filmen vor. Die Musikprogramme konnte er akribisch vorbereiten und sie sagten sehr viel mehr zu seiner Arbeitsweise und zu seinen Filmen aus, als ein Gespräch es gekonnt hätte.

 

Filme:
Grenzgänger (2012)
Der Überfall (2000)
Attwengerfilm (1997)
No Name City (2006)
Suzie Washington (1998)
Halbe Welt (1993)

 

Hubsi Kramar hat einen berührenden Nachruf im Falter geschrieben, den wir gerne mit Euch teilen wollen:

„Augen, in denen sich die Welt spiegelt!“ Dies sind die Worte, die mir in den Sinn gekommen sind, als ich Florian Flicker zum ersten Mal sah – 1984 im Lager 6, im Zuge der Besetzung der Hainburger Au. Ich war damals in den Vorbereitungen zur „Konrad Bayer Gala“ und so nicht wenig überrascht, als der kaum zwanzigjährige Florian aus seiner Manteltasche plötzlich ein Buch von Bayer fischt. Einer dieser magischen Zufälle! In diesem Moment sind wir einander „zugefallen“. Eine Seelenverbindung.

Besonders berührt hat mich seine helle Ausstrahlung. Und erstaunt hat mich, was er in so jungen Jahren gewusst und verstanden hat. Einerseits waren wir gemeinsam in diesem politisch extrem aufgeladenen Hainburger Spannungsfeld österreichischer Politik, andererseits vertieften wir uns in unseren Gesprächen in die Extreme der modernen österreichischen Literatur. Zwei Felder, die sich überschneiden und gleichzeitig weit auseinanderklaffen.

Das ist Florian für mich, ein Grenzgänger zwischen den Welten, mit einer unerfüllbaren Sehnsucht nach dem Ausgleich von Gegensätzen. Diese Eigenschaften bestimmen sein Werk, sein Schreiben, sein Filmschaffen.

Was ihn für mich besonders anziehend gemacht hat, war sein feiner Humor, gepaart mit der Intelligenz eines Skeptikers und der Melancholie eines liebenswerten Romantikers. Abgesehen von seinem großen künstlerischen Talent und Können, ist es nicht übertrieben zu sagen: Er war einer dieser außergewöhnlichen Menschen, voll Verständnis, Toleranz und Menschenliebe. Auch wenn er von uns gegangen ist, seine Filme leben. Danke, Florian.

Hubsi Kramar,  Wien, 25. August 2014

 

 

 

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