In Erinnerung an Michael Glawogger

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© tommy pridnig

Michael Glawogger, 3. Dezember 1959 – 22. April 2014

Es geht noch immer nicht: über Michael und seine Filme einfach so zu schreiben, dass alles rund wird und verständlich. Denn es ist nicht rund und verständlich. Ich kann nur zitieren. Zum Beispiel die großartige Erzählung, mit der er mich, uns, im letzten November vor seiner Abreise beschenkt hat. Die trägt den Titel Noch nicht genug gelebt und endet mit den Worten: Das Leben passiert zwischen den Runden.

Es ist auch zu viel, und zu viel anderes Großartiges, wovon man reden müsste. Von den Tieren zum Beispiel; vom Fantasma real, das in Michaels Filmen wirkt; und davon, dass er immer das ganze Kino verteidigt hat, in Worten und in seinen eigenen filmischen Taten. Sein Schaffen und er selber hatten eine Weite und Großzügigkeit, die sich über Gräben gespannt hat. Zugleich war er sehr bestimmt in dem, was er mochte und wozu er sich entschied, in den letzten Jahren immer bestimmter.

Einer, der das alles, die Weite und das Bestimmte an Michael, sofort verstand, war Dennis Lim. Von ihm stammt einer der schönsten Nachrufe, den ich gelesen habe. Er erinnert sich an ein gemeinsames spätwinterliches Picknick an der Küste, in Point Reyes. “The water was frigid, and there was not a soul in it, but Michael casually disrobed and went out for a swim; a little girl next to us spotted him in the distance and excitedly told her parents that she had seen a whale. It was a perfect day.”

Es ist sehr schön, dass es ein Kino unter Sternen gibt, das einige von Michaels Filmen jetzt zeigt. Dort gehört er hin, der Wal.

Alexander Horwath, Österreichisches Filmmuseum

 

Michael Glawogger war bei Kino unter Sternen ein regelmäßiger, gern gesehener Gast. Ganz spontan kam er vorbei, wenn seine Filme gezeigt wurden. Er freute sich am begeisterten Publikum und das Publikum an ihm. Im letzten Jahr wurde seine Komödie Nacktschnecken zum Publikumsfilm gewählt. Davor erzählte er gemeinsam mit den Schauspielern Georg Friedrich und Michael Ostrowski über das Filmemachen. Ein schöner Abend. Wie anders könnten wir uns an ihn erinnern als mit seinem Werk. Gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum, mit Regina Schlagnitweit und Alexander Horwath, wurden fünf Filme ausgewählt, die einen Einblick in die Vielfältigkeit seines Werkes geben.

Im Vorprogramm zu den Filmen werden Freunde und Wegbegleiter über die Zusammenarbeit sprechen und lesen. Der Filmemacher Ulrich Seidl, die Cutterin Mona Willi, der Sportjournalist Johann Skocek, der Autor und Kurator Olaf Möller, der Filmjournalist Stefan Grissemann und schließlich Alexander Horwath werden über Michael Glawogger sprechen und lesen.

 

Biografie:
Geboren 1959 in Graz, Österreich.
Studien am San Francisco Art Institute und an der Filmakademie Wien. Er arbeitete als Regisseur, Autor und Kameramann. Er legte sich auf keine Genre fest, sein Spektrum reichte von skurrilen Komödien, über Literaturverfilmungen bis zu essayistischen Kino-Dokumentarfilmen mit denen er vor allem im Ausland bekannt wurde. Während der Arbeit zu seinem letzten großen Projekt Film ohne Namen verstarb er unerwartet in Afrika.

Filmografie:
2014 Die Frau mit einem Schuh (TV-Krimi), 2013 Kathedralen der Kultur (Regie: Wim Wenders; Glawogger-Episode über St. Petersburg), 2011 Whores’ Glory, 2009 Contact High, 2009 Das Vaterspiel, 2006 In Heaven (Kurzfilm), 2005 Mai Thai (Kurzfilm), 2005 Slumming, 2004 Workingman’s Death, 2003 Nachtschnecken, 2002 Zur Lage, 1999 Frankreich, wir kommen!, 1998 Megacities, 1996 Kino im Kopf, 1995 Ameisenstraße, 1989 Krieg in Wien

Auszeichnungen
:
2012 Österreichischer Filmpreis Bester Dokumentarfilm für Whores’ Glory / 2011 Internationale Filmfestspiele von Venedig (Spezialpreis der Jury in der Reihe Orizzonti) für Whore’s Glory / 2009 Großer Preis der Diagonale für Das Vaterspiel / 2006 Auszeichnung „Beste Kamera Dokumentarfilm“ für «Workingman’s Death», Diagonale
 / 2005 Golden Gate Award für «Workingman’s Death», International Film Festival San Francisco
 / 2005 The Times BFI Grierson Award für «Workingman’s Death», International Film Festival London
 / 2005 Auszeichnung als „Bester Dokumentarfilm“ für «Workingman’s Death», DOX Copenhagen
 / 2005 Auszeichnung als „Bester Dokumentarfilm“ für «Workingman’s Death», FICCO Mexico /
2005    Seeds of War Award für «Workingman’s Death», International Film Festival Durham
 / 2005 Spezialpreis der Jury  für «Workingman’s Death», Festival de Film Gijon
 / 2005 FIPRESCI-Preis  für «Workingman’s Death», Filmfestival Leipzig
 / 2005 „Bester Dokumentarfilm“  für «Workingman’s Death» European Film Awards / 1998 Wiener Filmpreis für Megacities / 1996 Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten für Die Ameisenstraße, Max Ophüls Festival / 1995 Wiener Filmpreis für Die Ameisenstraße

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