Fluchtpunkt Rick’s Café

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Special Kino unter Sternen 2012 Filmexil

Peter Lorre, Conrad Veidt, Paul Henreid, Szöke Szakall in Hollywood

Sie müssen zu Tausenden raus aus Europa. Die jüdischen Filmschaffenden, die vertrieben werden, als die Nazis an die Macht kommen. 1933 in Deutschland, 1938 in Österreich. Hunderte Karrieren in Berlin, Wien, Prag und Budapest finden ein jähes Ende. Autoren und Schauspieler sind ihrer Sprache beraubt, Versuche, in London oder Paris Fuß zu fassen, mühsam. Manchen der Emigranten bietet Hollywood eine rettende Zuflucht, doch keine Heimat.

CASABLANCA, der im Frühjahr 1942 bei Warner Bros. in Produktion geht, steht mit seinem Sujet und seiner Besetzung exemplarisch für diese Exil-Erfahrung. Nur drei der im Abspann genannten Darsteller sind gebürtige US-Amerikaner, alle anderen Emigranten, Flüchtlinge oder importierte Stars aus Europa. Vom ungarischen Regisseur über den Wiener Komponisten und den deutschen Ausstatter bis hin zum Ensemble, das in der Mehrzahl aus den ehemaligen Kronländern der k. u. k. Monarchie stammt. Das Casting Department kann aus dem Vollen schöpfen: selbst ehemals große Charakterdarsteller sind auf der Suche nach Arbeit und reißen sich um die kleinste Nebenrolle, um wenigstens für ein paar Tage beschäftigt und bezahlt zu werden.

Michael Curtiz’ Klassiker CASABLANCA dient uns als Ausgangpunkt für eine cineastische Reise, um in einer Auswahl von Filmen an die Heimatlosen im Exil zu erinnern, von denen man heute kaum noch etwas weiß.
Brigitte Mayr / Michael Omasta

Zu den Filmen der Reihe Die Casablanca Connection

S.Z.Sakall in Casablanca

S.Z.Sakall als Ober Carl in Casablanca

Frau Leuchtag: At last the day is came!
Herr Leuchtag: Mareichen and I are speaking nassing but English nau.
Frau Leuchtag: So we should feel at home when we get to Amerika.
Carl: Very nice idea, mm-hmm.
Herr Leuchtag: To Amerika!
Frau Leuchtag: To Amerika!
Carl: To America!
Herr Leuchtag: Liebchen, sweetnessheart, what watch?
Frau Leuchtag: Ten watch.

(Gespräch des Flüchtlingsehepaars Leuchtag in Rick‘s Café, dargestellt von Ilka Grüning und Ludwig Stössel, mit S.Z.Sakall als Ober Carl)

 

CASABLANCA liegt an einer Wegkreuzung in der dritten und vierten Dimension. Bei kaum einem anderen sind dessen Ort in der Geschichte und die Geschichte der Orte, die er in sich birgt, von solch ausuferndem Reichtum. Es ist ein geschlossener, „klassischer“ Film und zugleich ein Platz voller Risse und Linien, die zu ihm hin und weg von ihm führen: zeitgeschichtliche, filmhistorische und individuelle biografische Risse und Linien. Das Moderne, das er so erhält, gibt er nach außen hin, in seinen Bildern und seiner Erzählung, kaum zu erkennen. Aber es ist indirekt spürbar.
An der Situation (dieser Ort des Wartens; ein Zwischenort, mit geteilten Räumen und Emotionen), an der Dynamik (angetrieben von der Überzeugung, mittels Popkultur an einem welthistorischen Umschwung mitwirken zu können), und an den realen Gestalten, die das Geschehen erst hervorbringen – unter Einsatz ihrer Körper, Stimmen und Gesichter.
All dies spielt mit in CASABLANCA. Nicht a cast of thousands, wie bei Ben Hur, sondern: the cast of a century.
Alexander Horwath

In Kooperation mit

    

Siehe auch die Schwerpunkte Kino unter Sternen 2011  – Filmschau um den österreichischen Filmkomponisten Max Steiner und Bon voyage cinema.

Conrad Veid Claude Rains

Conrad Veidt als Major Heinrich Strasser Claude Rains als Captain Louis Renault

 

THE CASABLANCA CONNECTION – The special 2012 visits Rick’s Café. As last year, it is dedicated to film exile.
Casablanca, it’s the place and the film, where the persecutors, the persecuted and the rescuers meet one another. Here, those who were forced to emigrate in real life, play both persecutors and persecuted. Austrian actors like Peter Lorre, Paul Henreid, S.Z. Sakall, Ilka Grüning, Helmut Dantine and Ludwig Stössel who fled from the National Socialists encounter other exiles like Conrad Veidt and Curt Bois, shoot a film with their American, English, French collegues about the unfortunate love between two people, in the middle of the war, low-budget. The actors who were successful and busy in film and theatre in their native land, had to contend themselves with minor roles, and often weren’t even mentioned in the credits.
 KINO UNTER STERNEN will put the numerous exiles under the spotlight and highlight them with selected films.